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Prozesse · Leitfaden

Welche Geschäftsprozesse lassen sich automatisieren?

Von Fabian KleesVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: 3 Min. Lesezeit

Kurzantwort

Automatisieren lassen sich vor allem Geschäftsprozesse, die häufig vorkommen, klaren Regeln folgen und mit digitalen Informationen arbeiten – etwa Anfrage- und Terminmanagement, Auftragsbestätigungen, Rechnungsstellung, Datenabgleich zwischen Programmen, Erinnerungen und das Sortieren eingehender E-Mails. Prozesse mit vielen Ausnahmen, Ermessensentscheidungen oder persönlicher Beziehung sollten beim Menschen bleiben. KI erweitert die Möglichkeiten dort, wo Sprache, Gespräche oder Dokumente verarbeitet werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vier Kriterien: Häufigkeit, klare Regeln, digitale Daten, Kosten von Fehlern.
  • 20 typische Kandidaten aus dem Mittelstand als Arbeitsliste.
  • Klassische Automatisierung ist oft günstiger und berechenbarer als KI.
  • Ohne standardisierten Ablauf wird jede Automatisierung teuer.

Vier Kriterien für automatisierbare Prozesse

  1. 1.Häufigkeit: Der Ablauf kommt regelmäßig vor – täglich oder mehrmals pro Woche.
  2. 2.Klare Regeln: Es lässt sich beschreiben, was in welchem Fall passieren soll.
  3. 3.Digitale Informationen: Die benötigten Daten liegen elektronisch vor oder lassen sich erfassen.
  4. 4.Kosten von Fehlern und Verzögerungen: Wenn nichts passiert, wenn es liegen bleibt, lohnt sich der Aufwand selten.

20 Prozesse, die viele Betriebe unnötig manuell bearbeiten

BereichProzessTypische Umsetzung
KommunikationAnrufe annehmen und Anliegen erfassenKI-Telefonagent
KommunikationEingangsbestätigung für AnfragenKlassische Automatisierung
KommunikationE-Mails sortieren und zuordnenRegeln plus KI
KommunikationStatusinformationen an KundenAutomatische Benachrichtigung
TermineTerminvereinbarungBuchungssystem oder Telefonagent
TermineTerminerinnerungenKlassische Automatisierung
TermineAbsagen und VerschiebungenRegelbasiert mit Bestätigung
VertriebAnfragen erfassen und zuordnenFormular plus CRM
VertriebAngebote aus Bausteinen erzeugenVorlagen plus Automatisierung
VertriebNachfass-ErinnerungenWiedervorlage automatisch
AuftragAuftragsbestätigung erstellenKlassische Automatisierung
AuftragDaten zwischen Programmen übertragenSchnittstelle
AuftragStatuswechsel dokumentierenAutomatisch aus dem System
BuchhaltungBelege und Rechnungen auslesenDokumenten-KI
BuchhaltungRechnungsstellung nach AuftragKlassische Automatisierung
BuchhaltungZahlungserinnerungenRegelbasiert
WissenWiederkehrende Fragen beantwortenWissenssystem
WissenGesprächsnotizen erstellenZusammenfassung durch KI
PersonalOnboarding-Checklisten auslösenKlassische Automatisierung
FührungKennzahlenberichte erzeugenAutomatischer Report

Klassische Automatisierung oder KI?

MerkmalKlassische AutomatisierungKI
GrundlageFeste Regeln: wenn A, dann BSprache, Text, unstrukturierte Inhalte
VorhersagbarkeitSehr hochHoch, aber nicht absolut
KostenMeist niedrigerHöher in Aufbau und Betrieb
Typische AufgabeDatenübertragung, Erinnerungen, BestätigungenAnrufe, E-Mails, Dokumente, Wissensfragen
RisikoFehler durch falsche RegelnFalsche Antworten ohne gute Wissensbasis

Faustregel: Wo eine Regel ausreicht, braucht es keine KI. Wo Sprache im Spiel ist, ist KI meist die einzige praktikable Lösung.

Was Sie nicht automatisieren sollten

  • Entscheidungen mit Ermessensspielraum – Kulanz, Preise, Personal.
  • Gespräche, in denen Vertrauen entsteht oder gerettet wird.
  • Seltene Sonderfälle mit hohem Klärungsaufwand.
  • Abläufe, die niemand beschreiben kann – dort fehlt zuerst der Standard.

So gehen Sie vor

  1. 1.Einen Prozess auswählen, der häufig vorkommt und stört.
  2. 2.Den heutigen Ablauf mit den Beteiligten aufschreiben – inklusive Ausnahmen.
  3. 3.Den Normalfall standardisieren, siehe Standardisieren oder automatisieren?
  4. 4.Festlegen, welche Schritte ein System übernimmt und wann es übergibt.
  5. 5.Klein starten, messen, dann erweitern.

Checkliste

  • Der Prozess kommt mindestens wöchentlich vor.
  • Wir können in fünf Sätzen beschreiben, wie er ablaufen soll.
  • Die nötigen Daten liegen digital vor.
  • Es ist klar, wer übernimmt, wenn das System nicht weiterkommt.
  • Wir kennen den heutigen Zeitaufwand und können nachher vergleichen.

Lohnt sich Automatisierung für diesen Prozess?

Ja, wenn …

  • er kostet regelmäßig spürbar Arbeitszeit
  • Fehler oder Verzögerungen haben Folgen für Kunden
  • der Ablauf ist beschrieben oder lässt sich leicht beschreiben
  • die nötigen Daten sind digital verfügbar

Eher nicht, wenn …

  • der Prozess ändert sich ständig
  • es gibt mehr Ausnahmen als Normalfälle
  • das Ergebnis wird ohnehin von Hand geprüft
  • der Prozess läuft nur wenige Male im Jahr

STANDARDWERK sagt

Die meisten Prozesse, die sich lohnend automatisieren lassen, sind langweilig. Genau deshalb sollte kein Mensch sie mehr erledigen.

Häufige Fragen

Womit sollten wir anfangen?

Mit dem Prozess, der am häufigsten vorkommt und am meisten stört. In vielen Betrieben ist das die Anfrage- und Telefonbearbeitung.

Was kostet eine Automatisierung?

Das hängt von Anzahl der Anbindungen, Ausnahmen und Pflegeaufwand ab. Vergleichsmaßstab sollte immer der heutige Zeit- und Fehleraufwand sein.

Brauchen wir dafür neue Software?

Oft nicht. Viele vorhandene Programme können mehr, als genutzt wird. Mehr dazu: Warum STANDARDWERK keine Software verkauft

Zeigen Sie mir, wo es hakt.

Beschreiben Sie mir das Problem. Ich prüfe die Ursache, rechne den Nutzen und baue die Lösung, die im Alltag trägt. Die Spezialisten und Technikpartner steuere ich im Hintergrund.

Erst das Problem. Dann die Lösung. Ein Ansprechpartner für das Ergebnis.