Zum Inhalt springen

Mitarbeiter entlasten · Leitfaden

Wie können Unternehmen Mitarbeiter wirklich entlasten?

Von Fabian KleesVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: 4 Min. Lesezeit

Kurzantwort

Unternehmen können Mitarbeiter vor allem dadurch entlasten, dass sie wiederkehrende Aufgaben standardisieren und dort automatisieren, wo kein menschliches Urteilsvermögen erforderlich ist. Besonders geeignet sind Terminvereinbarungen, Datenerfassung, Standardanfragen, Dokumentation und bestimmte Kommunikationsaufgaben. Genauso wichtig ist, Unterbrechungen zu reduzieren und Wissen so verfügbar zu machen, dass nicht jede Frage bei einer Person landet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Überlastung entsteht selten durch die Kernarbeit, sondern durch die Reibung drumherum.
  • Vier Hebel: weglassen, standardisieren, automatisieren, Wissen verfügbar machen.
  • Unterbrechungen sind der unterschätzteste Zeitfresser im Mittelstand.
  • Die gewonnene Zeit muss bewusst gestaltet werden, sonst füllt sie sich neu.

Warum Mitarbeiter überlastet sind, obwohl genug Menschen da sind

Fragt man Mitarbeiter, warum sie nicht fertig werden, hört man selten „zu viele Kunden“. Man hört: ständige Unterbrechungen, Suchen nach Informationen, doppelte Eingaben, Warten auf Entscheidungen, Telefonate mit immer gleichen Fragen. Die Kernarbeit ist nicht das Problem – die Arbeit drumherum ist es.

Diese Reibung wächst mit dem Unternehmen. Mehr Menschen bedeuten mehr Abstimmung, mehr Kunden bedeuten mehr Rückfragen, mehr Programme bedeuten mehr Übertragungen. Wer nur Personal aufstockt, vergrößert auch die Reibung.

Die vier Hebel für echte Entlastung

1. Weglassen

Der schnellste Hebel kostet nichts. Berichte, die niemand liest, Freigaben ohne echte Prüfung, doppelte Ablagen, Statusmeldungen an große Verteiler. Fragen Sie bei jeder wiederkehrenden Aufgabe: Wer nutzt das Ergebnis, und was passiert, wenn wir es nicht mehr tun?

2. Standardisieren

Wo jeder anders arbeitet, entsteht Nachfragebedarf. Ein einheitlicher Ablauf mit Auslöser, Schritten, Zuständigkeit und Ergebnis senkt Rückfragen und Fehler sofort – und ist die Voraussetzung für jede Automatisierung. Mehr dazu: Standardisieren oder automatisieren?

3. Automatisieren

Erst wenn ein Ablauf klar ist, lohnt die Frage, welche Schritte ein System übernimmt: Anrufe annehmen und Anliegen erfassen, Termine buchen, Bestätigungen senden, Daten zwischen Programmen übertragen, Erinnerungen auslösen. Welche Prozesse infrage kommen, zeigt Welche Geschäftsprozesse lassen sich automatisieren?

4. Wissen verfügbar machen

Jede Frage, die ein Mitarbeiter einem anderen stellt, kostet zwei Menschen Zeit. Wenn die häufigsten Antworten an einem Ort stehen und in Alltagssprache abrufbar sind, sinkt die Zahl der Unterbrechungen spürbar. Mehr dazu: Wie Unternehmen Wissen im Betrieb sichern

Welche Aufgaben sich für Systeme eignen

AufgabeEignungWorauf achten
Anrufe annehmen, Anliegen erfassenSehr gutÜbergabe an Menschen klar regeln
Termine vereinbaren und erinnernSehr gutTerminarten und Dauer vorher festlegen
Standardfragen beantwortenGutAntworten müssen gepflegt werden
Daten zwischen Programmen übertragenSehr gutSchnittstellen vorher prüfen
Dokumentation und ZusammenfassungenGutDatenschutz klären, nicht heimlich aufzeichnen
Beratung, Reklamation, VerhandlungUngeeignetBleibt beim Menschen – mit besserer Vorbereitung

Typische Fehler

  • Entlastung mit neuer Software gleichsetzen, ohne den Ablauf zu klären.
  • Die Mitarbeiter nicht fragen, die die Aufgabe täglich erledigen.
  • Alles gleichzeitig angehen, statt mit der lästigsten Routine zu beginnen.
  • Die gewonnene Zeit nicht gestalten – sie füllt sich sonst mit neuer Routine.

Praxisbeispiel

Beispielszenario

Das Pflegebüro zwischen Telefon und Dienstplan

In einem ambulanten Pflegedienst klingelt das Telefon den ganzen Tag: Angehörige, Ärzte, Mitarbeiter, die sich krankmelden. Die Büroleitung kommt an manchen Tagen kaum zur Dienstplanung.

Die Auswertung zeigt drei Anrufgruppen: Terminfragen, Krankmeldungen und Rückfragen von Angehörigen zu immer ähnlichen Themen.

Die Lösung kombiniert eine strukturierte Telefonannahme, ein einfaches Formular für Krankmeldungen und eine abrufbare Übersicht der häufigsten Fragen von Angehörigen. Die Dienstplanung bekommt wieder zusammenhängende Zeit.

Typisches Szenario zur Veranschaulichung – kein konkreter Kundenfall.

Checkliste zur Selbstprüfung

  • Ich kenne die drei Aufgaben, die meinem Team am meisten Zeit stehlen.
  • Für die häufigsten Abläufe gibt es einen Standard, den alle kennen.
  • Die zehn häufigsten Fragen sind beantwortet und auffindbar.
  • Es ist geregelt, wer wann das Telefon übernimmt.
  • Wir haben festgelegt, wofür die gewonnene Zeit genutzt wird.

Lohnt sich ein System zur Entlastung?

Ja, wenn …

  • eine Aufgabe mehrmals täglich anfällt und immer ähnlich abläuft
  • Mitarbeiter regelmäßig durch Standardanfragen unterbrochen werden
  • Fachkräfte Tätigkeiten erledigen, die keine Fachkraft brauchen
  • Anfragen oder Rückrufe verloren gehen

Eher nicht, wenn …

  • die Aufgabe selten vorkommt oder sich ständig ändert
  • der Ablauf noch völlig unklar ist – dann zuerst standardisieren
  • die Belastung aus einem einmaligen Projekt stammt
  • das eigentliche Problem unklare Zuständigkeiten sind

STANDARDWERK sagt

Entlastung beginnt nicht mit einem Werkzeug, sondern mit der Frage, welche Arbeit Ihre Mitarbeiter heute machen, obwohl sie niemand von ihnen verlangen sollte.

Häufige Fragen

Was entlastet am schnellsten?

In den meisten Betrieben die Telefon- und Anfragebearbeitung, weil sie ständig in andere Arbeit hineinschneidet. Danach folgen doppelte Dateneingaben und die Informationssuche.

Müssen wir dafür Personal abbauen?

Nein. In inhabergeführten Unternehmen geht es fast immer darum, mit dem vorhandenen Team mehr zu schaffen und offene Stellen weniger schmerzhaft zu machen.

Wie messen wir, ob die Entlastung wirkt?

Erheben Sie vorher zwei bis drei Werte: Zeitaufwand für die Aufgabe pro Woche, Anzahl der Unterbrechungen und Anzahl verlorener Anfragen. Nach der Einführung messen Sie dieselben Werte erneut.

Zeigen Sie mir, wo es hakt.

Beschreiben Sie mir das Problem. Ich prüfe die Ursache, rechne den Nutzen und baue die Lösung, die im Alltag trägt. Die Spezialisten und Technikpartner steuere ich im Hintergrund.

Erst das Problem. Dann die Lösung. Ein Ansprechpartner für das Ergebnis.