KI-Sparring & Training · Leitfaden
Wie Geschäftsführer wichtige Entscheidungen mit KI hinterfragen können
Von Fabian KleesVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: 3 Min. Lesezeit
Kurzantwort
Geschäftsführer können Entscheidungen mit KI hinterfragen, indem sie die KI bewusst als Gegenspieler einsetzen: Entscheidung und Ziel klar formulieren, die eigene Begründung darlegen und die KI dann die stärkste Gegenposition vertreten, versteckte Annahmen auflisten und ein Scheitern durchspielen lassen. Die KI trifft keine Entscheidung – sie macht blinde Flecken sichtbar, bevor sie teuer werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Methode braucht 20 Minuten und keine Vorbereitung.
- Sechs Schritte von der Fragestellung bis zum Pre-Mortem.
- Sieben Fragen, die Sie direkt übernehmen können.
- Grenzen kennen: Die KI weiß nur, was sie weiß.
Warum auch erfahrene Entscheider blinde Flecken haben
Wer eine Entscheidung im Kopf bereits getroffen hat, sucht anschließend vor allem bestätigende Argumente. Dazu kommt im Unternehmen ein praktisches Problem: Wer widerspricht dem Inhaber ernsthaft – und mit welchem Risiko?
Eine KI hat kein Interesse an Harmonie, wenn man ihr ausdrücklich die Rolle des Gegenspielers gibt. Genau darin liegt ihr Wert.
Die Methode in sechs Schritten
- 1.Entscheidung formulieren: In zwei Sätzen, inklusive Ziel und Zeitrahmen.
- 2.Eigene Begründung darlegen: Warum halten Sie diesen Weg für richtig?
- 3.Gegenposition anfordern: Die KI soll die stärkste Gegenargumentation vertreten.
- 4.Annahmen auflisten lassen: Was muss wahr sein, damit Ihre Entscheidung richtig ist?
- 5.Pre-Mortem: „Die Entscheidung ist in einem Jahr gescheitert – woran lag es?“
- 6.Nachbereitung: Welche Annahme prüfen Sie vorher, welches Risiko nehmen Sie bewusst in Kauf?
Sieben Fragen zum Mitnehmen
- Welche Informationen fehlen dir, um meine Entscheidung zu beurteilen?
- Was wäre die stärkste Gegenposition zu meinem Vorhaben?
- Welche Annahmen mache ich, ohne sie zu prüfen?
- Welche Alternative habe ich übersehen?
- Was würde ein Wettbewerber in meiner Lage tun?
- Welche Folgen hätte die Entscheidung für Kunden und Mitarbeiter?
- Woran würde ich in sechs Monaten merken, dass es der falsche Weg war?
Grenzen: Was die KI nicht weiß
- Sie kennt Ihr Unternehmen nur, soweit Sie es beschreiben.
- Sie kennt die Menschen nicht, über die Sie entscheiden.
- Sie hat kein Gespür für Stimmungen und Zwischentöne.
- Sie kann überzeugend klingen und trotzdem falsch liegen – prüfen Sie Fakten eigenständig.
Vertrauliche Informationen
Verwenden Sie so wenige personenbezogene Details wie möglich, arbeiten Sie mit Rollen statt Namen, und nutzen Sie ein System, bei dem Speicherort, Zugriff und Löschung geklärt sind. Bei sensiblen Personalfällen gilt besondere Zurückhaltung.
Praxisbeispiel
Beispielszenario
Die Entscheidung über einen zweiten Standort
Ein Inhaber will einen zweiten Standort eröffnen. Die Begründung: mehr Nachfrage in der Nachbarregion, gute Auslastung im Stammhaus.
Die Gegenposition bringt zutage, dass die Auslastung stark von zwei Schlüsselpersonen abhängt und dass der Aufbau am zweiten Standort genau diese Personen binden würde.
Das Pre-Mortem nennt als wahrscheinlichsten Scheiterngrund: Der Stammbetrieb verliert Qualität, während der neue Standort noch nicht trägt. Die Entscheidung fällt trotzdem für den Standort – aber mit vorgelagerter Wissenssicherung und einer klaren Vertretungsregelung.
Typisches Szenario zur Veranschaulichung – kein konkreter Kundenfall.
Checkliste vor wichtigen Entscheidungen
- Die Entscheidung ist in zwei Sätzen formuliert.
- Ich kenne die drei stärksten Gegenargumente.
- Die kritischen Annahmen sind benannt.
- Ein Scheiternsszenario wurde durchgespielt.
- Ich weiß, woran ich früh erkenne, dass ich korrigieren muss.
STANDARDWERK sagt
Eine gute Entscheidung ist nicht die, der alle zustimmen. Es ist die, die den stärksten Widerspruch überstanden hat.
Häufige Fragen
Wie lange dauert so ein Durchgang?
Für eine mittelgroße Entscheidung genügen 15 bis 20 Minuten. Für große Entscheidungen lohnt es sich, den Durchgang nach ein paar Tagen zu wiederholen.
Kann ich das auch im Team machen?
Ja, und es wirkt oft noch besser: Die KI liefert die Gegenposition, das Team diskutiert sie. Das nimmt Einzelnen die Rolle des Bedenkenträgers ab.
Was, wenn die KI Unsinn schreibt?
Das kommt vor. Prüfen Sie Fakten und Zahlen eigenständig. Der Wert liegt nicht in den Antworten, sondern in den Fragen und der Struktur.